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Die „Amerika-Linie“
(Berlin) - Stendal - Uelzen

Verkehrsprojekt Deutsche Einheit Nr. 3

Der Ausbau der alten „Amerika-Linie“ fand in der Fachliteratur kaum Beachtung und soll hier kurz zusammenfassend dargestellt werden. Das „Verkehrsprojekt Deutsche Einheit Nr. 3“ von 1991 sah den zweigleisigen, elektrifizierten Ausbau der Strecke Stendal - Salzwedel - Uelzen mit 200 km/h Höchstgeschwindigkeit vor. Die offizielle Grundsteinlegung für den Wiederaufbau fand am 24. April 1993 bei Hestedt zwischen Salzwedel und Bergen/Dumme statt: Hier wurde eine der zahlreichen Brücken neu erbaut. Im Herbst 1993 begann in der Nähe von Fleetmark die Grunderneuerung eines Streckenteiles, 1994 auch bei Stendal. Doch das ursprüngliche Projekt wurde zwischenzeitlich drastisch „abgespeckt“: Nach dem Beschluss der Bundesländer Bremen, Niedersachsen und Sachsen-Anhalt vom 6. Dezember 1993 sollte der Wiederaufbau nun in drei Etappen vonstatten gehen: bis 1997 der eingleisige Lückenschluss für Dieselbetrieb, bis 1999 die Elektrifizierung und bis 2004 der zweigleisige Ausbau Stendal - Salzwedel - Uelzen für 160 km/h. Der Aufwand war mit 1,4 Milliarden Mark geplant. Ein Raumordnungsverfahren war für die Gesamtstrecke nicht nötig, weil sie auf altem Planum ausgebaut wurde. Auch der abgebaute Streckenteil zwischen Salzwedel und der Landesgrenze war nie entwidmet und stets für einen jederzeitigen Wiederaufbau vorrätig gehalten worden. Während in Sachsen-Anhalt die Bauarbeiten zügig voran gingen, gab es in Niedersachsen jahrelange Verzögerungen. Bis zum Bahnhof Wieren war dort ein Planfeststellungsbeschluss zwingend erforderlich, um den Wiederaufbau vornehmen zu können. Ab Wieren bis Uelzen war die Strecke als Nebenbahn in Betrieb.

Im Zuge der Ausbaumaßnahmen wurden zwischen Stendal und der Landesgrenze alle Eisenbahnbrückenbauten durch Neubauten ersetzt. Straßen und Wege wurden gebündelt überführt oder überqueren die Trasse. Die Elektrifizierung der zunächst eingleisigen Strecke lief fast parallel mit der Grunderneuerung. Zwischen Brunau-Packebusch und Rademin liegt etwa in der Mitte der Gesamtstrecke Stendal - Uelzen ein 12 km langer zweigleisiger Überholabschnitt. Nur am westlichen Bahnhofskopf von Stendal wurde die Trasse geringfügig verändert. Am 18. August 1996 fand die feierliche Wiederinbetriebnahme des Abschnittes Stendal - Salzwedel mit Dieseltriebfahrzeugen statt. Zu diesem Zeitpunkt waren in Niedersachsen noch nicht einmal alle Planfeststellungsverfahren angelaufen!

Unmittelbar danach begann in Sachsen-Anhalt die Elektrifizierung der Ausbaustrecke. Am 25. November 1997 testete die Ellok 143 076-8 die Fahrleitung zwischen Stendal und der Harper Mühlenbachbrücke an der Landesgrenze nach Niedersachsen. An einem Schwellenkreuz endete dort die Strecke. Nach der Eröffnungsfahrt mit der Ellok 143 119-6 vom Betriebshof Magdeburg am 18. Dezember 1997 wurde tags darauf der planmäßige elektrische Fahrbetrieb zwischen Stendal und Salzwedel aufgenommen.

Wegen der jahrelangen Streitigkeiten um den Veerßer Bogen bei Uelzen, dessen Verlegung eine Bürgerinitiative ebenso erfolglos einforderte wie zahlreiche Schallschutzmaßnahmen und eine niveaufreie Kreuzung der Bahn mit der Bundesstraße 4, begannen auf niedersächsischer Seite erst im darauffolgenden Sommer die Arbeiten für den Wiederaufbau der Strecke. Und während in Niedersachsen am Planum gebaut wurde, testete bereits ein ICE-Messzug im benachbarten Sachsen-Anhalt ab dem 17. November 1998 erfolgreich die Fahrleitung mit 230 km/h zwischen Kläden und Brunau-Packebusch! Am 23. April 1999 begann der Gleisbau auf niedersächsischer Seite in Fortsetzung der bereits seit fast zwei Jahren vorhandenen Trasse an der Mühlenbachbrücke in Richtung Nienbergen. Das letzte Schienenstück mit einer Länge von 108 m wurde am 3. Juli 1999 im Bahnhof Wieren verlegt. Auch auf niedersächsischer Seite fand eine Bündelung der Straßen und Wege für eine niveaufreie Überführung oder Unterquerung der Trasse statt. Zwischen Stendal und Uelzen gab es 100 Bahnübergänge. Nur 56 wurden mit neuer Technik ausgerüstet, drei durch Brücken ersetzt und die restlichen 41 geschlossen.

An der Strecke lagen einst 13 Bahnhöfe. In neuem Gewand präsentiert sich der Salzwedeler Bahnhof, während die meisten dazwischen liegenden Bahnhöfe zu Haltepunkten zurückgebaut wurden. Zugkreuzungen können nach dem Streckenausbau in Sachsen-Anhalt nur noch in Kläden, Hohenwulsch, Brunau-Packebusch und Salzwedel, in Niedersachsen nur noch in Schnega und Wieren stattfinden. An allen Bahnhöfen und Haltepunkten wurden die Bahnsteige und Informationsanlagen modernisiert.

Am 18. Dezember 1999 fand der offizielle Lückenschluss mit einem kleinen Feuerwerk an der Landesgrenze statt. Nach 54 Jahren ist die letzte Lücke im Netz der altmärkischen Hauptbahnen wieder geschlossen worden, können die Züge wieder auf Schienenwegen von Berlin oder Mitteldeutschland über Stendal, Salzwedel, Uelzen und Bremen bis Bremerhaven durchfahren.

Entgegen den hochgesteckten Zielen des „Verkehrsprojektes“ sind die seitdem gefahrenen Leistungen auf der Strecke Stendal - Salzwedel - Uelzen bescheiden. So verkehrte beispielsweise im Winterfahrplan 2000/01 neben einigen Güterzügen insgesamt 17 Reisezüge in jeder Fahrtrichtung. Zwischen Magdeburg und Uelzen über Stendal und Salzwedel waren es acht RegionalBahnen, zwischen Magdeburg und Salzwedel außerdem vier RegionalExpress-Züge und zwei RegionalBahnen, und zwischen Stendal und Salzwedel pendelten drei RegionalBahnen. Sonntags verkehrte darüber hinaus ein InterRegio nachts von Leipzig nach Uelzen, in der Gegenrichtung einer am Freitagvormittag.

Bemerkenswert ist seit dem Sommer 2002 die Monate lang praktizierte Umleitung des ICE München - Hamburg wegen der Bauarbeiten im Bahnhof Wittenberge, der auf seiner Hinfahrt ab Berlin nicht über Wittenberge und Ludwigslust, sondern auf der Hochgeschwindigkeitsstrecke Berlin - Hannover bis Stendal und danach über Salzwedel - Uelzen nach Hamburg verkehrte und zwischendurch nicht hielt.

Als einzige „schnelle Züge“ verkehrten im Sommerfahrplan 2004 die IC 240/241 „Wawel“ zwischen Hamburg-Altona und Krakow über Uelzen - Stendal - Berlin - Cottbus, die von Montag bis Samstag fuhren, und nur am Sonntag bzw. Freitag kamen die IC 2630/2631 zwischen Leipzig bzw. Halle/Saale und Munster (Örtze) über Uelzen - Salzwedel - Stendal - Magdeburg hinzu.

Salzwedel
Eröffnung des elektrischen Betriebes in Salzwedel.
(W. List/1997)

Landesgrenze
Feierliche Eröfnung der Strecke Stendal -Uelzen an der Landesgrenze Sachsen-Anhalts zu Niedersachsen.
(W. List/1999)

Bild 300 x ??? (B x H)
Der ehemalige Bahnhof Bergen/Dumme existiert nicht mehr – auch nicht als Haltepunkt. Nur diese Gebäude stehen noch.
(W. List/1999)

Bild 300 x ??? (B x H)
107,4 km sind es von Stendal bis Uelzen. Dieser Blick vom Stendaler Bahnsteig zeigt das Empfangsgebäude von Uelzen noch in alter Fassade mit einigen Anbauten vor dem Umbau zum „Hundertwasser-Bahnhof“.
(W. List/1991)

Bild 300 x ??? (B x H)
Umgeleiteter ICE an der Landesgrenze auf der Harper Mühlenbach-Brücke. Hier ist gut zu erkennen, dass die Strecke für einen zweigleisigen Ausbau vorbereitet worden ist.
(W. List/2002)

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