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Kleinbahn Goldbeck -Werben/E

Verkehrsleistungen

Das Verkehrsaufkommen hatte typischen Saisoncharakter und war vor allem im Herbst ernorm hoch. Dass die Bahn hauptsächlich dem Güterverkehr diente, geht auch daraus hervor, daß in Werben das Streckengleis von Goldbeck – ohne den Bahnsteig zu berühren – bis zum Hafen weiterlief, während das Bahnsteiggleis über eine Weiche abzweigte. Es endete dann schließlich an einem Prellbock. Während der Fahrplanpausen blieben die Personenwagen am Bahnsteig stehen, und so konnte in dieser Zeit der Hafen bedient werden.

Der zunehmende Wettbewerb anderer Verkehrsmittel sowie Betriebsrücksichten zwangen die Kleinbahn-Gesellschaft 1929/30, eine Erhöhung der außerordentlich niedrigen Fahrgeschwindigkeit von 20 km/h anzustreben. Mit der Aufsichtsbehörde fanden bereits unverbindliche Besprechungen mit dem Ziel der Genehmigung einer Höchstgeschwindigkeit von 30 km/h statt. Es wurde in Aussicht genommen, 1931 einen entsprechenden Antrag einzubringen. Im Falle der Genehmigung sollten zunächst die Züge schneller gefahren werden, die erfahrungsgemäß keinen oder geringen Güterverkehr hatten, z. B. die Abend- und Sonntagszüge. Am 2. November 1931 genehmigte die Aufsichtsbehörde eine Höchstgeschwindigkeit der Züge von 40 km/h. Der Paragraph 19 der Genehmigungurkunde vom 15. Juli 1923 änderte sich entsprechend. Mit Rücksicht auf den Oberbau wurde diese Geschwindigkeit fahrplanmäßig jedoch nicht ausgenutzt. Sie schuf aber die Möglichkeit, Verspätungen ohne Überschreitung der zugelassenen Fahrgeschwindigkeit auszugleichen. Die bisherige zugelassene Höchstgeschwindigkeit der Lokomotive „Freise“ konnte aufgrund neuer Berechnungen und einer Probefahrt am 10. Dezember 1932 auf 40 km/h erhöht werden.

Bis Ende der dreißiger Jahre verkehrten täglich drei Zugpaare. Geringfügige Fahrplanänderungen traten zumeist während der Rübenkampagne ein, da zu dieser Zeit besonders die Rangierarbeiten umfangreicher wurden. Zeitweise gab es Sonderzüge für den Rübentransport. Umfangreiche Verkehrseinschränkungen wurden zunächst ab dem 1. September 1939 wirksam, als der Friedensfahrplan der Reichsbahn außer Kraft gesetzt wurde. Fortan fuhren nur noch zwei Zugpaare. Ab 1942 wurden vier Paare gefahren. Bei Bedarf setzte man reine Güterzüge ein, die in den verkehrsstarken Herbstmonaten mit Vorspannlokomotive gefahren wurden. An Sonn- und Feiertagen verkehrte nur je ein Zugpaar morgens und abends. Ab dem 18. Dezember 1944 fielen werktags die Züge 3 und 4 aus. Ab dem 5. Februar 1945 folgten weitere Einschränkungen, so daß nur noch zwei Zugpaare verkehrten. Vom 12. April bis  22. Juni 1945 ruhte der öffentliche Zugverkehr völlig, es wurden nur noch Bedarfsgüterzüge für die Besatzungsmacht mit Beutegut gefahren. Danach konnte der Zugverkehr mit zwei Zugpaaren täglich (außer sonntags) wieder aufgenommen werden. 1946 wurde der Fahrplan mehrfach in Anpassung an den Reichsbahnfahrplan geändert. Es wurden in allgemeinen wieder drei Zugpaare gefahren.

Es ist überliefert worden, daß der Direktor der Kleinbahn, Walther Plathe, stolz darauf war, trotz ewiger finanzieller Engpässe dank seiner Bemühungen den Oberbau der Bahn so erheblich verbessert zu haben können, dass wenigstens ein aus schweren Eilzugwagen bestehender Lazarettzug nach Werben und zurück durchgeführt werden konnte. Möglicherweise unterlagen dies Transporte der Geheimhaltung und wurden deswegen in den Geschäftsberichten nicht oder nur ganz allgemein erwähnt.

Die Kleinbahn beförderte Rüben nach Goldbeck und auch zum Werbener Hafen. Es gab in Behrendorf und Giesenslage Bauern, die mit der Genthiner Zuckerfabrik Verträge hatten. Deren Rüben wurden im kleinen Werbener Elbhafen auf Kähne verladen. Der Getreidehändler Ulrich aus Havelberg hat über diesen Hafen für Werben, Giesenslage, Behrendorf und Iden Getreide umgeschlagen. Während des Krieges wurde Kohle für die Goldbecker Zuckerfabrik per Schiff angeliefert und mit der Kleinbahn ans Ziel befördert. Auch zwei Werbener Kohlehändler bekamen Kohlen und Grudekoks per Kleinbahn. Die Werbener Brillenfabrik, so Aussagen eines ehemaligen Eisenbahners der Kleinbahn, erhielt ihre Rohwaren als Stückgutsendungen. Nach dem Kriege wurden große Mengen Kunstdünger von der Bahn über den großen Düngerschuppen auf Lkw umgeschlagen.

Die Zuckerfabrik Goldbeck hatte nach Vergrößerung ihrer Trocknungsanlage 1936/37 die Trocknung von Rübenblättern als neuen Produktionszweig aufgenommen. Für die Beförderung dieser Blätter mußten Rungenwagen verwendet werden. Den Bemühungen, für den Binnenverkehr der Kleinbahn ausgemusterte Rungenwagen von der Reichsbahn zu kaufen, war kein Erfolg beschieden. Jedoch konnten solche Wagen für gewisse Zeit angemietet werden. Die Wagenmiete betrug 367,30 RM. 1938/39 mußten die Rungenwagen für 417 RM angemietet werden. Zur Beförderung der getrockneten Rübenblätter verfügte die Kleinbahn über eine genügende Anzahl gedeckter Güterwagen.

Eine besondere Aufgabe der Kleinbahn war bis zum Anfang des zweiten Weltkrieges der Milchtransport für das Rittergut Iden. Täglich wurde frische Milch vom Rittergut in 20-Liter-Kannen für einen Empfänger in Magdeburg verladen. Die Kannen wurden in Goldbeck umgeladen. Dazu fuhr der Kleinbahnzug am Bahnsteig 2 parallel zum Personenzug der Reichsbahn, der am Bahnsteig 1 hielt, so weit, daß sich beide Packwagen gegenüberstanden. Man legte Bohlen vom Packwagen der Kleinbahn zum Packwagen der Reichsbahn und übergab so an die zehn bis 20 Milchkannen. So war die frische Milch gegen Mittag beim Empfänger in Magdeburg.

Die Kleinbahn transportierte nicht nur Rüben, sondern wurde auch von der Deutschen Post benutzt. Zur Einsparung von Kraftstoff wurden die Bewohner der Wische-Orte im Zeitraum 1. Januar 1946 bis 1. April 1962 mit der Kleinbahn versorgt. Ein Mitarbeiter des Postamtes Goldbeck übernahm am Kleinbahn-Bahnsteig am Stellwerk „Gm“ die Sendungen, fuhr dann täglich in einem besonderen Abteil mit und händigte auf den Bahnhöfen die Sendungen für die Poststellen an den Mitarbeiter aus. Abfahrt war gegen 8.30 Uhr in Goldbeck, Ankunft in Werben gegen 9.45 Uhr. Auf der Rückfahrt (ab Werben etwa 12.15 Uhr) wurden dem Mitarbeiter alle abgehenden Postsendungen von den Poststellen übergeben. Der Zug kam gegen 13.30 Uhr in Goldbeck an. Mit der Neugliederung des Landkraftpostens der Deutschen Post wurde nach dem 1. April 1962 diese Zusammenarbeit mit der Kleinbahn eingestellt.

Lokschuppen Werben/E
89 6137 im Werbener Lokschuppen.
(Slg. W. List/um 1960)

bei Werben/E
89 6117 mit Wasserwagen bei Werben/E.
(Umlauft, Slg. W. List/1955)

Behrendorf
Zug nach Goldbeck mit 89 6007 in Behrendorf.
(Umlauft, Slg. W. List/1960)

Iden
Zug nach Goldbeck mit 89 6007 in Iden.
(Umlauft, Slg. W. List/1960)

Triebwagen Bauart Stettin
Antriebslose Triebwageneinheit der Bauart Stettin als Personenzugarnitur in Werben/E. Als Zugloks kamen Maschinen der BR 101 (V 15) zum Einsatz.
(W. List/1971)

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