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Kleinbahn Stendal - Arneburg

Geschichte

Der lebhafte Straßenverkehr zwischen Stendal und dem Elbestädtchen Arneburg erlitt nach der Inbetriebnahme der „Lehrter Bahn“ Berlin – Hannover über Stendal einen empfindlichen Rückgang. Um dem entgegenzuwirken, gab es schon vor Verabschiedung des preußischen Kleinbahngesetzes (1892) Bestrebungen, beide Städte mit einem Schienenweg zu verbinden und den berührten Orten den Absatz der landwirtschaftlichen und industriellen Erzeugnisse zu erleichtern, was aber aus Rentabilitäts- und Kostengründen nicht realisiert werden konnte. Erst nachdem Staat, Provinz und Kreis den Bau von Kleinbahnen unterstützten, ist das Projekt einer Schienenverbindung mit Stendal seitens der städtischen Behörden in Arneburg wieder aufgegriffen worden. 

In einem Schreiben des Magistrats der Stadt Arneburg vom 6. November 1894 an den Magistrat der Stadt Stendal wurde die Gründung eines Bahnbau-Komitees mitgeteilt. Das plante den Bau einer meterspurigen Eisenbahn über Bürs, Sanne, Hassel und Heinrichslust nach Stendal bis zur dortigen Pferdebahn. Die Entscheidung für die Schmalspur fiel allein aus Kostengründen. 

Am 17. März 1898 konstituierte sich in Arneburg die „Kleinbahn-Aktiengesellschaft Stendal-Arneburg“ im Hotel „Zum Schwarzen Adler“, nachdem der Staat und die Provinz je 105.000 M Zuschüsse in Aussicht gestellt hatten. Der Vorstand der Gesellschaft bestand aus dem Arneburger Bürgermeister Wolff und dessen Stellvertreter Kaufmann Meinecke. Der Aufsichtsrat hatte neun Mitglieder. Das Bahnprojekt muss sich einer großen Beliebtheit erfreut haben, denn die damalige Tageszeitung schrieb: „Das Geldangebot übertraf den Bedarf ganz bedeutend und war so stark, dass man eventuell die Kosten der Weiterführung des Schienenstranges bis zur Elbe und des neuen Ladeplatzes hätte decken können.“ 

Das Projekt sah in Arneburg eine Linienführung südlich der Ortslage vor. Von Stendal kommend, sollte die Trasse südlich von Bürs in östlicher Richtung bis nahe des Staffelder Weges verlaufen, und es sollte von hier aus ein Anschlussgleis zur damals noch bestehenden Zuckerfabrik sowie ein weiteres zum Elbladeplatz verlegt werden. Ausgeführt wurde jedoch eine andere Linienführung: Ab Bürs schwenkte die Bahn nördlich der Ortslage Arneburg und parallel zum Beelitzer Weg ein und endete am nördlichen Stadtrand. In der Zwischenzeit hatte die Arneburger Zuckerfabrik ihren Betrieb eingestellt.

In der Stadt Stendal endete die Strecke provisorisch in der Höhe des späteren Ostbahnhofes. Sie sollte bis in die Breite Straße gegenüber der Endstation der Pferdebahn gelegt werden, doch wurde zunächst nur die Weiterführung bis zur Gaststätte „Kyffhäuser“ in der Bismarckstraße an der Einmündung der Weinbergstraße zugelassen. Für den Anschluss an die Staatsbahn gab es verschiedene Vorstellungen. Letztendlich wurde das sog. Weinberggleis auf dem Planum der Wittenberger Strecke für den Güterumschlag genutzt. 

Stendal Gaststätte "Kyffhäuser"
Bahnhof an der Gaststätte "Kyffhäuser" in Stendal mit einem Zug der Schmalspurbahn.
(Slg. W. List)

Während Anfang der 1890er-Jahre der „Bochumer Verein für Bergbau und Gußstahlfabrikation“ in Berlin die ersten Projektierungsarbeiten der Kleinbahn ausführte, wurde etwa ab 1897 der Firma Knoch & Kallmeyer in Halle/Saale die Projektierung übertragen. 

Im September 1898 begannen die Erdarbeiten auf Stendaler Flur. Bereits am Montag, dem 7. August 1899, fand ab 11 Uhr die landespolizeiliche und eisenbahntechnische Abnahme der Kleinbahn Stendal – Arneburg statt. Da sie keine nennenswerten Beanstandungen erbracht hatte, wurde gleich danach die Kleinbahn feierlich eröffnet. 

Die beiden Lokomotiven Nr. 1 mit einem Dienstgewicht von 12 t (Bn2t) und Nr. 2 mit 18 t (Cn2t, Name: „Wolff“) sind von der Hannover’schen Maschinen-Bauanstalt, vormals Georg Egestorff in Hannover-Linden geliefert worden. Den gesamten Wagenpark, bestehend aus zwei auf Drehgestellen laufenden Personenwagen zu je 24 Plätzen III. und 8 Plätzen II. Klasse mit eingebautem Post- und Gepäckabteil, vier bedeckten und 14 offenen Güterwagen von je 6 t Tragfähigkeit lieferte die Breslauer Aktien-Gesellschaft für Eisenbahn-Wagenbau in Breslau. 

Weil die Kleinbahn aus baupolizeilichen Gründen nicht weiter in die Stadt hineinfahren durfte, blieb die provisorische Endstation am „Kyffhäuser“ einige Jahre lang bestehen. Mit dem Vorhaben, den Schienenweg in Arneburg bis hinunter zur Elbe zu verlängern, sollte erst begonnen werden, wenn das geplante Kleinbahn-Unternehmen Stendal - Arendsee realisiert wäre. 

Bereits im Jahre 1908 beschloss der Aufsichtsrat – angesichts der bevorstehenden Fertigstellung der Kleinbahn Stendal – Arendsee und der geplanten Einrichtung eines Gemeinschaftsbahnhofes, den Umbau der Schmalspurbahn in eine Regelspurbahn. Erneut wurde auch der Bau des Gleises zum Elbladeplatz wieder ins Gespräch gebracht, um auf dem Schienenwege böhmische Braunkohlen bis nach Arendsee befördern und andererseits Stendal einen weiteren Zugang zur Elbe (neben Tangermünde) schaffen zu können. Des weiteren wurde angeregt, die Strecke über Arneburg hinaus bis Osterholz bzw. Fährkrug am Südrand der Wische zu verlängern. Beide Vorhaben sind nie ausgeführt worden. 

Mit der Betriebseröffnung der Kleinbahn Stendal – Arendsee im Oktober 1908 und der Inbetriebnahme des Bahnhofes Stendal Ost wurde die Arneburger Strecke bis hierher zurückverlegt und ein Gemeinschaftsbahnhof beider Kleinbahnen eingerichtet. Die seither von der Staatsbahn bewirkte Überführung der Kleinbahn-Wagenladungen von und nach dem Staatsbahnhofe wurde der Kleinbahn Stendal - Arendsee übertragen. Mit der Eröffnung der Arendseer Kleinbahn ging das Ausflügleraufkommen auf der Arneburger Bahn drastisch zurück. 

Nach längeren Untersuchungen ist um 1910 herum der Einsatz von Rollwagen befürwortet worden, nachdem die Strecke entsprechend ertüchtigt wurde. Schon seit 1903 wurde der Einsatz von Rollböcken beraten und immer wieder verschoben. 

Der am 22. März 1913 von der Generalversammlung beschlossene Umbau der Strecke auf Regelspur wurde zügig in Angriff genommen. Am 2. Mai 1914 fand die landespolizeiliche und eisenbahntechnische Abnahme statt. An Betriebsmitteln waren vorhanden: eine Bn2-T-Lokomotive von 24 t Dienstgewicht, ein vierachsiger Personen-Post- und Gepäckwagen und ein Personenwagen 3. Klasse. Drei Güterwagen waren in den Staatsbahnwagenpark auf Grund eines besonderen Vertrages eingestellt. Die gesamte Wagenversorgung für den Güterverkehr hatte die preußische Staatseisenbahnverwaltung übernommen. 

Im Jahre 1924 wurde die „Kleinbahn-AG Stendal-Arneburg“ von der „Stendaler Kleinbahn-AG“ (Änderung des Namens „Kleinbahn-AG Stendal – Arendsee“ im Jahre 1915 nach dem Beschluss des Streckenneubaus von Peulingen nach Bismark) im Zuge einer Fusion übernommen. Fortan umfasste deren Streckennetz die Teilstrecken Stendal – Arendsee, Stendal – Bismark und Stendal – Arneburg.

Am 1. Oktober 1972 wurde der Gesamtverkehr zwischen Stendal und Arneburg eingestellt und danach die Strecke abgebaut.

Stendal Ost 1970
Die Arneburger Seite des Bahnhofes Stendal-Ost. Im Vordergrund führt die Strecke nach Arneburg.
(W.List/1970)

Arneburg 1899
Bahnhof Arneburg zur Zeit der Schmalspurbahn.
(Slg. W. List/1899)

Heinrichslust 1910
Schmalspurzug in Heinrichslust.
(Slg. W. List/1910)

Arneburg 1910
Bahnhof Arneburg mit altem und neuem Empfangsgebäude.
(Slg. W. List/1910)

Hassel
Haltestelle Hassel
(Slg. W. List)

Hassel 1930
Der Benzol-Triebwagen der Kleinbahn mit einem Gepäckwagen in Hassel.
(Slg. W. List/1930)

BCPwPost4i
Ein Wagen BCPwPost4i (2. und 3. Klasse mit Gepäck- und Postabteil) in Stendal-Ost.
(Slg. W. List/1936)

Arneburg 1953
Ein Personenzug, bespannt mit einer Lok der BR 74, verlässt Arneburg in Richtung Stendal.
(Slg. W. List/1953)

Wasserkran
Das Bahnsteigende mit Wasserkran im Bahnhof Arneburg. Im Hintergrund steht die Konservenfabrik, die ein eigenes Anschlussgkeis besaß.
(W. List/1970)

ehem. Lokschuppen
Bf. Arneburg, Blick auf den ehemaligen Standort des Lokschuppens.
(W. List/1970)

Ladestraße
1970 herrschte an der Ladestraße in Arneburg noch Betrieb.
(W. List/1970)

Ladestraße und Bahnsteig
Blick von der Arneburger Ladestraße in Richtung Bahnsteig und Empfangsgebäude.
(W. List/1970)
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