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Kleinbahn-AG Tangermünde - Lüderitz

Entwicklung bis zur Betriebseinstellung

Bereits ab 1911 traten Mängel am Oberbau auf. Wie beim Bau der Kleinbahn Klötze–Vinzelberg war aus Profitgründen an allem gespart worden, was einen sicheren langjährigen Betrieb garantiert hätte. Die jährlichen Besichtigungen der Strecke durch die Aufsichtsbehörde ergaben ständig wiederkehrende Beanstandungen, und im Jahre 1917 wurde der Zustand des Oberbaus als betriebsgefährlich erklärt. Man setzte daraufhin die Höchstgeschwindigkeit von 20 km/h auf 12 km/h in der Geraden und auf 10 km/h in den Krümmungen herab. Die kurzfristige völlige Betriebseinstellung wurde angedroht, falls die Mängel nicht schnellstens abgestellt würden. Dazu war die Gesellschaft aber nicht in der Lage, hatte sie doch spürbar unter den Folgen des ersten Weltkrieges zu leiden. Die Einnahmen deckten gerade die Ausgaben für die Betriebsführung; Rücklagen für Bauzwecke waren nicht vorhanden.

Seit dem Jahre 1916 hatten sich die Stimmen gemehrt, die einen Umbau der Strecke auf Regelspur und eine Weiterführung bis Vinzelberg vorschlugen. Die Anregung, die Schmalspurbahn erst einmal abzubauen, fand daher sofort Zuspruch; man erhoffte sich einen günstigen Erlös aus dem Verkauf der Bahnanlagen und Fahrzeuge an die Militärverwaltung. Die Pläne gingen dahin, den auf Zinsen gelegten Erlös für einen späteren regelspurigen Neubau verwenden zu können.

Während diese Vorhaben noch diskutiert wurden, mußte 1917 ein Teilstück wegen des betriebsgefährlichen Zustandes der Bahn abgebrochen werden. Die Gesellschaft entschied sich für das Teilstück Demker–Tangermünde und wollte das verbliebene Reststück erneuern. Am 7. Oktober 1917 fuhr der letzte Zug von Tangermünde nach Lüderitz. Der preußische Minister für öffentliche Arbeiten genehmigte am 18. Oktober 1917 die zeitweise Stillegung der Teilstrecke Tangermünde–Demker und deren Verkauf. Das verbleibende 9 km lange Teilstück Lüderitz–Demker besaß keinen Anschluß mehr an den Elbhafen. Wurde die Bahn früher vorwiegend für den Zuckerrübentransport direkt nach Tangermünde benutzt, fiel dieser starke Saisonverkehr nun weg. Eine halbwegs günstige Gestaltung der Anschlüsse an die Staatsbahn kam ebenfalls wegen der infolge des Krieges verminderten Zugfolge für den öffentlichen Verkehr nicht zustande. Die Wirtschaftslage der Bahn verschlechterte sich mehr und mehr. Die Bauern der im Einflußgebiet der Reststrecke liegenden Dörfer konnten mit wenig Mehraufwand ihre landwirtschaftlichen Erzeugnisse auch direkt nach Demker zur Staatsbahn bringen und ersparten sich dabei ein Umladen von der Schmalspurbahn zur Staatsbahn.

Bis 1920 wurde der Betrieb auf der Schmalspurbahn recht und schlecht aufrechterhalten. Dann war jedoch eine Weiterführung des Unternehmens ökonomisch nicht mehr zu verantworten. Der Landeshauptmann der Provinz Sachsen sprach in diesem Zusammenhang von einer „in Lage und Konstruktion total verfehlten“ Bahn und schlug im März 1920 vor, sie abzubrechen. Der Erlös sollte verzinslich angelegt und für den späteren Neubau einer regelspurigen Kleinbahn von Lüderitz nach Stendal verwendet werden. Daraufhin wurde der Betrieb tatsächlich am 17. Juni 1920 eingestellt und bereits am nächsten Tage mit dem Abbau der Bahn begonnen. Das Material ist an das Sachsenwerk Stendal verkauft worden.

Den Bahnkörper wollte die Genthiner Zuckerfabrik erwerben, um eine Rübenbahn zur Elbe zu betreiben. Erst 1936 ist dieser Plan aufgegeben worden. Seitdem wurde der Bahnkörper fast völlig von den Anliegern zurückgekauft und eingeebnet.

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