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Kleinbahn-AG Tangermünde - Lüderitz

Betriebsverhältnisse

Zur Eröffnung der Bahn besaß die Gesellschaft zwei von Borsig in Berlin gelieferte dreiachsige Tenderloks (Cn2t). Im Jahre 1910 kam eine dritte hinzu. Es war eine zweiachsige Tenderlok (Bn2t) von Henschel in Kassel.

Ein vierachsiger kombinierter 2./3.-Klassewagen mit Pack- und Postabteil (BCPwPost4i) und zwei vierachsige Personenwagen dienten dem Personenverkehr. Ein zweiachsiger Güterwagen hatte ein Postabteil. Vier gedeckte und 38 offene zweiachsige Güterwagen mit einer Ladefähigkeit von 7,5 Tonnen bildeten den Güterwagenpark - bestens geeignet für den Rübentransport.

Kurios, aber zweckmäßig, weil kostensparend: In den Spitzenzeiten des Personenverkehrs konnten an die Güterwagen Trittbretter angebaut und diese Wagen dann für die Personenbeförderung eingesetzt werden. Bei den offenen Güterwagen konnte man die Bordwände abnehmen, Drehschemel aufstecken und Langholz damit transportieren. Später wurden noch vierachsige offene und gedeckte Güterwagen dazubeschafft. Sie hatten eine Ladefähigkeit von zehn Tonnen.

An Personal gab es je zwei Lokführer und Heizer, aber die Heizer waren nicht ständig eingesetzt. Zwei Zugführer verkauften unterwegs Fahrkarten, stellten die Weichen und besorgten das Rangieren. Im Tangermünder Lokschuppen arbeitete ein Schlosser. In Demker waren ein Bahnhofsvorsteher, ein Stückguttransporteur und eine fünfköpfige Umladekolonne, die auch zu Bahnunterhaltungsarbeiten eingesetzt wurde, stationiert.

Auf den anderen Stationen allerdings waren keine im Hauptberuf tätigen Kleinbahner. Der Güterverkehr wurde von Agenten (d.h. im Auftrage der Kleinbahn tätige Gastwirte, Ladeninhaber o. ä.) erledigt.

Die Fahrkarten der Kleinbahn-AG Tangermünde–Lüderitz hatten ein ungewöhnliche Größe und waren aus Papier hergestellt. Sie hatten ein Format von 12,8 mal 8,5 cm. Ihre Gültigkeit betrug drei Tage einschließlich des Lösungstages. Die Vorderseite des Fahrscheines gab den Fahrtag, die Fahrstrecke, die der Reisende zurücklegen wollte, und den Preis für diese Strecke an. Dazu hieß es auf der Fahrscheinrückseite:

„Der Fahrpreis ist im Treffpunkt der beiden gelochten Rubriken in Pfennig angegeben. Nur gültig, wenn die Lochung vor dem Abriß vom Stamm erfolgt ist. Dieser Fahrschein ist während der Fahrt aufzubewahren und den Beamten auf Verlangen auszuhändigen.“

Zu den Transportleistungen dieser Schmalspurbahn ist einiges überliefert. Im täglichen Durchschnitt wurden etwa 170 Personen befördert. Im letzten Betriebsjahr waren es zwischen Lüderitz und Demker täglich im Schnitt nur noch 69. Der Güterverkehr machte im Jahresdurchschnitt immer nur etwas mehr als die Hälfte des Personenverkehrs aus und hatte im letzten Vierteljahr mit den Rübentransporten seine Spitzenzeit. Ein Teil der Rüben wurde in Demker in Staatsbahnwaggons umgeladen, die im wesentlichen in die Zuckerfabrik nach Stendal liefen. Schmalspurwaggons mit Zuckerrüben wurden aber auch im Tangermünder Bahnhof mit Hilfe einer Rampe auf Tranportwagen der Regelspur gesetzt und dann zum Hafen befördert, wo ihre Ladung nach Genthin verschifft wurde.

In der übrigen Zeit bildeten Düngemittel, Bau- und Brennstoffe das hauptsächliche Beförderungsgut. Pflastersteine für die Chausseebauten im Einzugsbereich der Kleinbahn wurden per Schiene angeliefert. Dank besonders günstiger Tarife konnten die Tangermünder Ziegeleien ihre Mauersteine sogar über Demker nach Madeburg versenden!

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