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Eisenbahnläutewerke

Einführung

Eisenbahnläutesignalanlagen waren die ersten technischen Einrichtungen für ein von den Sichtverhältnissen unabhängiges Zugmeldeverfahren. Im folgenden werden Technik und Betrieb von Eisenbahnläutesignalanlagen skizziert.

Begriff Eisenbahn-Läutewerke

Eisenbahn-Läutewerke sind stationäre Einrichtungen zum Erzeugen und Abgeben von Läutesignalen.

Erste Läutewerke

August Mons, Betriebsleiter der Thüringischen Eisenbahn, beauftragte im Jahre 1846 den Berliner Hofuhrmacher Ferdinand Leonhardt mit dem Bau der ersten elektromechanischen Läutewerke. Sie wurden zwischen Halle und Weißenfels eingesetzt. Der Glockenstuhl stand auf dem Dachfirst gemauerter Buden. Diese Läutewerke gaben 13 Glockenschläge auf zwei Glocken ab.

Aufgabe der Läutewerke

Mit Hilfe einer vorher vereinbarten und im Signalbuch festgeschriebenen Anzahl von Glockenschlägen (Läutesignale) wurden die Bahn- und Schrankenwärter längs der Strecke vom Fahrdienstleiter einseitig über bevorstehende Zugfahrten oder Unregelmäßigkeiten informiert. Die elektrische Läutesignalanlage diente als Verbindung zwischen allen Wärtern zu ihrer gleichzeitigen Information über

  • den Abgang und
  • die Fahrtrichtung eines Zuges.

Ihr Nachteil: Die Wärter konnten über diese Anlage keine Rückfragen an den Fahrdienstleiter vornehmen.

Eine Läutelinie reichte immer von einem Bahnhof zum nächsten. Der Fahrdienstleiter läutete drei Minuten vor der Abfahrt oder der mutmaßlichen Durchfahrt eines Zuges ab. Die Glocken schlugen dann gleichzeitig an allen dazwischen liegenden Wärterposten an. Daraufhin hatten die Wärter ihre Schranken zu schließen.

Läutesignale in Deutschland

Nach Einführung der einheitlichen deutschen Signalordnung von 1875 waren die Läutewerke ,Gruppenschläger’, die nach jeder Ingangsetzung (Auslösung) eine ,Gruppe’ zu fünf oder sechs Glockenschlägen abläuteten. Damit unterschieden sich die Läutesignale deutlich von anderen Glockenklängen.

In der Regel sind vier Läutesignale verwendet worden:

  • ein Abmeldesignal für jede Fahrtrichtung, d. h. für die eine Fahrtrichtung eine Gruppe, für die Gegenrichtung zwei Gruppen,
  • das Ruhesignal mit drei Gruppen und
  • das Alarmsignal mit sechs Gruppen.

Standorte der Läutewerke

Die deutsche Eisenbahn-Bau- und -Betriebsordnung (BO) verlangte die Aufstellung an den Postenhäusern der Bahn- und Schrankenwärter, den Stellwerken und Blockstellen aller Hauptbahnen und jener Nebenbahnen, die mit mehr als 40 km/h befahren wurden.

Aufbau der Läutewerke

Es bestand aus

  • einem Gehäuse (,Mantelbude’ aus Blech, Gehäuse aus Holz, Gusseisen oder Mauerwerk),
  • einem uhrwerkähnlichen Triebwerk mit Gewichts- oder Federaufzug, dessen selbständige mechanische Hemmung auf elektrischem Wege aus der Ferne mit einem Stromstoß aufgehoben wurde, sowie
  • einem Glocken- und Hammerwerk.

Jedes Läutewerk hemmte sich nach Abgabe der konstruktiv vorherbestimmten Schlagzahl selbständig und hielt sich zur nächsten Ingangsetzung betriebsbereit.

Aufbau einer Läutesignalanlage

Eine Läutesignalanlage bestand stets aus

  • den Läutewerken,
  • der Drahtleitung, durch die der Auslösestrom von der signalgebenden Station aus durch die einzelnen Läutewerke hindurch (Reihenschaltung) bis zur nächsten Station und von dort durch die Erde zurück geführt wurde geführt wurde (vornehmlich Freileitung) und
  • der Stromquelle als der Apparatur, die den auslösenden Strom erzeugte - zuerst Batterien, später Induktoren, d. h. handbetriebene Generatoren (Dynamos).
  • mehr...

Glockenzahl

Oftmals standen Läutewerke verschiedener Strecken nahe beieinander. Dann wurde jeder Strecke ein bestimmtes ,Klangbild’ (Glockenanzahl, Reihenfolge und Rhythmus ihres Anschlages) zugeordnet, um Irrtümer hinsichtlich der Gültigkeit für die betreffende Strecke zu vermeiden. Spindelläutewerke konnten nur mit einer Glocke oder mit zwei Glocken, alle anderen Läutewerke konnten mit bis zu drei Glocken ausgeführt werden.

Läutewerkarten

Es gab in unterschiedlicher Bauform und Ausführungsart je nach Aufstellungsort und Größe die

Obliegenheiten der Wärter

Er hatte das Läutewerk in bestimmten Abständen - mindestens einmal am Tage - aufzuziehen. Beim Streckenläutewerk benutzte er zum Aufwinden des Gewichtes eine Kurbel. Das Gewicht des Bahnsteig- und Zimmerläutewerkes wurde an der Kette wie eine Uhr, das Federwerk des Tischläutewerkes wurde mit einer Art fest angebautem Schlüssel aufgezogen. Der Wärter mußte das Läutewerk regelmäßig ölen, säubern und Eis und Schnee beseitigen. Eingriffe in das Triebwerk waren ihm streng untersagt! Das war allein Aufgabe des Bahnmeisters.

Posten 70
Günter Meyer fotografierte 1976 am Posten 70 bei Gera das ehemalige Läutewerk der Thüringischen Eisenbahn (links).
(Günter Meyer, Slg. W. List/1976)

Läutesignal
Die Läutesignale (hier aus dem Signalbuch der Preußisch-Hessischen Staatseisenbahnen von 1910) standen bis 1935 an erster Stelle im Signalbuch.
(Slg. W. List)

Läuteinduktor
Mit diesem Läuteinduktor werden 2 Läutelinien in der Sammlung von Wolfgang List betrieben.
(W. List/2004)

Schrankenposten
38 1057 als Vorspann vor einer 93er am liebevoll dekorierten Schrankenposten bei Bad Kleinen mit zwei Läutewerken (Mantelbuden).
(Slg. W. List/um 1960)

Läuteinduktor
Typischer Schrankenposten mit einem Mantelbuden-Läutewerk in Mecklenburg.
(Slg. W. List/um 1960)

Dienstanweisung
In der Anlage 4 (Auszug) zur Dienstanweisung für die Bahnwärter, Schrankenwärter und Schrankenwärterinnen regelten die Preußisch-Hessischen Staatseisenbahnen den Umgang mit den Läutewerken.
(Slg. W. List)
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